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  • sensibeldenken

Eingewöhnung (in die Krippe) : Wie du als Elternteil den Prozess beeinflussen kannst:

Aktualisiert: 31. Mai 2023

Ich war noch nicht einmal in der 12. SSW Schwanger, als es zu mir hieß, ich solle am besten jetzt schon einen Krippenplatz für meine Tochter suchen. "Wie bitte? Ich habe doch noch nicht einmal richtig realisiert, dass ich Mutter werde und dann soll ich bereits an das wieder Abgeben meiner Tochter denken? Unmöglich!" Das war mein persönlicher erster Kontakt mit dem Gedanken an die Eingewöhnung meiner damals noch nicht geborenen Tochter.


Die Eingewöhnung ist einer der ersten und größten Transitionen ( Übergänge), die dein Kind und du durchleben. Manche gehen diesen Schritt bereits um das erste Lebensjahr, andere dann mit 3 Jahren.

So oder so hat jeder seine individuellen Gründe wieso er sich dazu entschieden hat, diesen Weg zu gehen.



Wie bereits erwähnt, ist es einer der größten Übergänge für dein Kind. Aber genauso ist es ein großer Schritt für dich als Mutter. Du hast nun 1-3 Jahre eine fürsorgebedürftige, liebende kleine Person um dich herum gehabt und eins ist Fakt : du bist die Person, die am besten weiß, was dein Kind wann und wie braucht, denn : DU bist der/die Experte/Expertin deines Kindes.


Nichtsdestotrotz steht womöglich bald das (nach der Geburt) nächste große Loslassen an. Du wirst abgeben (müssen) vertrauen (müssen) und wenn du daran denkst, dass die Pädagogin aber gar nicht weiß, was welches "Gugu" heißt, wird dir ganz anders... ich kann es voll und ganz verstehen. Es macht einfach Angst und verunsichert.


Es gibt unzählig viele verschiedene Einrichtungen die Kinder im Alter von 0- 21 Jahren nicht nur betreuen. Sie alle haben auch einen gesetzlich vorgegebenen Bildungsauftrag mit Gesetzen die dein Kind, dich und auch die Einrichtung schützen und einen Qualitätsstandart sichern. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Kinder die neu in die Kita aufgenommen werden eine Eingewöhnung durchlaufen. Hierfür gibt es verschiedene Modelle ( Weit verbreitet ist zum Beispiel das Berliner Eingewöhnungsmodell). Die Eingewöhnung ist also ein Prozess, in dem dein Kind eine sichere Bindung zur Einrichtung und auch zu der Pädagogin die diesen Prozess begleitet, entwickeln soll.


In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie du als Elternteil den Prozess der Eingewöhnung positiv unterstützen kannst bzw. wie du diesen Prozess auch negativ beeinflussen kannst ( ohne es zu wollen)


Ich hatte bereits Väter, die auf dem Teppich saßen und größeren Spaß am Bauen mit den Bauklötzen hatten als ihr Kind, Mütter die ihr Laptop mitgenommen haben zum Arbeiten oder Omas die direkt wieder los wollten. Es war wirklich alles dabei.


Mittlerweile weiß ich, wie ich meine Eltern Schritt für Schritt durch die Eingewöhnung führen muss, damit ihnen diese Fehler nicht unterlaufen sie sich sicher und gesehen fühlen.


Diese Tipps möchte ich dir nun auch auf den Weg geben und ich hoffe, dass dir ( unwissend- ich glaube auf keinen Fall, dass diese Eltern das getan haben, weil sie etwas sabotieren oder nicht für voll genommen haben getan haben)


 

  1. Genügend Zeit

Versuche dir genügend Zeit für die Eingewöhnung einzuplanen. Jedes Kind braucht unterschiedlich lang für die Eingewöhnung. Von 2 Wochen bis 2 Monaten bis Abbruch war bei mir alles dabei. Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Aber es wird dir den Druck nehmen, wodurch du entspannter an die Sache gehen kannst und das wiederum wirkt sich positiv auf die Eingewöhnung aus


2. Wer macht die Eingewöhnung?


Ich empfehle meinen Eltern immer, dass es für das Kind und auch für die Pädagogin wichtig ist, dass während der Eingewöhnung die Bezugsperson nicht zu häufig gewechselt wird. Das hat den Vorteil, dass jeder richtig informiert ist und dem Kind gibt es auch eine gewisse Stabilität. Klar, es gibt Eingewöhnungen die einfach sehr lange gehen und man muss schauen wie man alles unter einen Hut bringt. In der Regel ist es aber ganz gut, wenn sich die Eingewöhnung auf eine Person beschränkt. Häufig machen es die Mütter, aber das muss eigentlich gar nicht notwendig sein. Auch ein Papa kann eine Eingewöhnung voll übernehmen. Sprecht euch ab, wie ihr eurem Kind am besten Sicherheit vermitteln könnt.


3. Sei präsent:


Während der der ersten Zeit der Eingewöhnung wirst du mit im Raum sein. Vermeide es dein Handy, ein Buch oder etwas zum Stricken mitzunehmen und begleite dein Kind mit deinen Blicken. Dein Kind wird immer wieder zu dir schauen um sich abzusichern ob du aufpasst. Du bist der sichere Hafen deines Kindes und was wäre ein sicherer Hafen ohne präsenten Leuchtturm? Sucht dein Kind Augenkontakt, sollte es diesen auch bei dir finden. Womöglich werden dich andere Kinder belagern. Spiel ein wenig mit und signalisiere deinem Kind, dass du es hier auch schön findest. Versuche aber mit deiner Hauptaufmerksamkeit bei deinem Kind zu bleiben.



4. Suche dir einen festen Platz oder lasse dir einen geben:


Die Kita ist für Kinder ausgelegt und das ist auch gut so. So kann sich jemand, der sich hier nicht täglich aufhält etwas überfordert fühlen, wo er sich nun hinsetzen soll. "Soll ich aufstehen wenn mein Kind den Raum verlässt? Soll ich ihm hinterher laufen?"

Ich selbst gebe meinen Eltern immer einen festen Platz, denn das gibt den Eltern Sicherheit und sie wissen wo sie hingehören. Dein Kind verlässt den Raum? Toll! Bleibe sitzen wo du bist. Dein Kind fordert dich auf mit zu spielen? Bleibe sitzen, versuche dein Kind dazu aufzumuntern mit der Pädagogin das Spiel zu spielen oder spielt es von deinem Platz aus. Denn auch deinem Kind gibt es Sicherheit, wenn es immer genau weiß, wo es dich finden kann.

Wenn dein Kind den Raum nicht ohne dich verlassen kann, bespreche mit der Pädagogin, wie sie vorgehen möchte. Mir war es immer wichtig, dass man solche Situationen immer als Chance sieht, dass sich das Kind von alleine trennt und habe empfohlen, dass die Mutter sitzen bleibt. Das handhabt jede Pädagogin aber immer unterschiedlich.


5. Nehme keinen Kontakt auf, erlaube aber Kontakt:


Gleiches gilt für die Kontaktaufnahme. Dein Kind weint eventuell weil es sich weh getan hat? Versuche, ich weiß es ist schwer, der Pädagogin den Vortritt zu lassen. Sie soll es versuchen. Klappt es nicht und will das Kind zu dir, lass es zu dir kommen und empfange es mit offen Armen. Die Devise lautet, lass dein Kind IMMER zu dir kommen, gehe aber nicht selbst zu deinem Kind. Es sei denn, deine Pädagogin fordert dich dafür auf. Dies kann zum Beispiel bei den ersten pflegerischen Maßnahmen der Fall sein. Zum Beispiel beim ersten Naseputzen, Wickeln, Füttern oder ähnliches.



6. Frage, wenn du Fragen hast:


Unwissenheit schafft Unsicherheit und die Unsicherheit einer Mutter überträgt sich auf das Kind. Und was dein Kind nicht braucht ist noch mehr Unsicherheit. Deshalb: Wenn du Fragen hast, Abläufe, das Verhalten oder Vorgehen einer Pädagogin nicht verstehst, Frage nach. Es ist dein Kind und viele Konflikte beruhen einfach auf Missverständnissen. Frage sachlich nach, erläutere wie es dir dabei geht und schaffe so eventuelle Unsicherheiten aus der Welt. Wenn du bei solchen Gesprächen Hilfe benötigst, kannst du dich auch immer an mich wenden, ich unterstütze dich da gerne.


7. Weine, wenn du weinen musst:


Die erste Trennung, dein Kind weint und es zereißt dir dein Herz und dir kommen die Tränen. Du denkst vielleicht " Oh Gott bin ich eine Glucke." Nein bist du nicht! Dein Kind hat Trennungsschmerz und du logischerweise auch. Nach 9Monaten Schwangerschaft und bis zu 3 Jahren (alleiniges) Kuscheln, spielen und Vertrautsein musst nun auch du los lassen (lernen). Auch für dich ist es ein enorm großer und wichtiger Entwicklungsschritt. Viele haben echt Probleme zu Vertrauen und abzugeben weil unsere Kindheit und das vorgehen in vielen Situationen noch ganz anders geprägt waren. Lass es laufen. Erfreue dich an der Verbundenheit, spüre deine Gefühle und sei dann auch wieder präsent wenn es weiter geht.


8. Vertraue deinem Kind:


Meine Tochter hat mich schon so einige Male überrascht. Gerade in solchen Entwicklungsschritten. Häufig halten wir Eltern an Schnullis, Milchflaschen oder dem Stillen genauso fest wie die Kinder. Aber dann kommen Situationen, an denen das Kind sagt " Mama, ich brauche heute keinen Schnulli." Und ich denke " Was? Schaffe ich das ohne? Äh ich meine... schafft sie das ohne?" Es ist ja auch so, dass auch uns solche Gegenstände Sicherheit geben, denn sie funktionieren eben.

Gleiches gilt beim Abgeben. Manchmal ist das Kind einfach weiter als wir. Damit wir dem Kind aber in seiner Entwicklung nicht im Wege stehen, ist es unbedingt notwendig dem Kind diesen Raum zu geben und zu vertrauen. Wenn dein Kind sagt, es kann es, dann lass es das auch versuchen. Wenn es dann doch scheitert bist du ja da. (egal ob du es kommen gesehen hast oder nicht. Wichtig ist, sag es deinem Kind nicht)


9. Richtige Kita für dein Kind?


Es gibt sehr viele unterschiedliche Formen von Einrichtungen für die Betreuung unserer Kinder. Krippen, Tagesmütter, Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhäuser, Spielgruppen.

Und das ist gut so. Denn nicht für jede Mutter oder für jedes Kind ist eine Kindertageseinrichtung das richtige. Manche Kinder überfordert es in den jungen Jahren sehr, wenn alle Räume geöffnet sind und so viele Kinder herum laufen.

Für andere Kinder wäre eine geschlossene Einrichtung nicht das richtige, weil die vielen verschiedenen Ecken und der Lärm einfach zu viel ist.

Du kennst dein Kind am besten und kannst im Vorfeld vielleicht schon abwägen, was für dein Kind gut ist. Sehr sensible Kinder tut die Betreuung bei einer Tagesmutter oder in einer Spielgruppe gut. Andere Kinder wäre es hier aber vielleicht doch etwas langweilig.

Manchmal merkt man es aber auch erst während der Eingewöhnung, dass die Einrichtung nicht das Richtige ist. Und da gilt es objektiv und realistisch abwägen. Was brauchen wir und wie können wir genau das bekommen. Welche Abstriche sind wir bereit zu gehen und was ist uns besonders wichtig.

Hier bietet sich auch immer der Blick in die Konzeption an, wobei ich eine Hospitation im Vorfeld immer am besten halte.



 

Prinzipiell sind die besten Voraussetzungen geschaffen, wenn du offen und mutig an die Sache heran gehst, Unsicherheiten durch eine offene Kommunikation beiseite räumst und deinem Kind ein sicheren Hafen gibst.

Mir ist durchaus bewusst, dass es auch andere familiäre Konstellationen gibt, wo man als Mutter keine 2 Monate Zeit hat. Auch da klappt eine Eingewöhnung in der Regel. Das hier ist eine Aufzählung von Punkten, wie du aktiv den Prozess beeinflussen kannst.

Solltest du starke Unsicherheiten haben oder noch nicht genau wissen ob dieser Weg der richtige ist. Probleme in der Kommunikation mit der Pädagogin haben oder andere Situationen,

melde dich gerne bei mir und ich helfe dir in einem Gespräch.










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